Das Zelt in mir, 2013

Material: Eisen, PVC, Nähgarn
Größe: 350 x 460 x 460 cm
Ort: Diplomausstellung, Kunstakademie Düsseldorf, 2013
Fotos: Lorenz Obermeier

 

 

Augangspunkt der Arbeit Das Zelt in mir, 2013 ist die Auseinandersetzung mit der Institution Heimatmuseum.

Nach der Aktualisierung des Museumswesens, nämlich der Entzauberung des Museums während der Weimarer Republik, fand das Alltags-Objekt dort einen neuen Platz und wurde zum musealen Ausstellungsstück. Dies war vor allem im Heimatmuseum deutlich erkennbar. Während dieser Zeit entstanden viele Heimatmuseen neu, gegründet und geleitet hauptsächlich von nicht professionellen Personen. Somit waren diese frei von Kulturpolitik und relativ selbstständig. Das Heimatmuseum war Repräsentant einer Idee von Heimat und diente als Identifikationshilfe des Volkes, ebenso als soziale Kommunikationsstätte. Es zeigte eine Ansammlung von Alltagsgegenständen, die Objekte stammten meist aus dem Lebenszusammenhang, häufig waren es Arbeitsgegenstände und Gebrauchtwaren. Es wurde das gezeigt woraus die eigene Welt bestand, Schwerpunkt war die begrenzte Region. Somit sollte die Heimat systematisch erfasst, gesammelt, bewahrt und erhalten werden. Das Bild von Heimat wurde anhand von aus dem Lebenszusammenhang entnommenen Alltagsgegenständen, die dann im Museumsraum präsentiert wurden, definiert.

Die Arbeit Das Zelt in mir bleibt leer. Alle diese Gegenstände, fehlen. Es hängt in der Luft. Durch den fehlenden Bodenkontakt wird ihm ein geografischer Bezugspunkt genommen. Es schwebt im Nirgendwo. Die Umrisse des Raumes haben die Form eines Zeltes und es ist in sich geschlossen, es gibt keinen Zugang. Nur durch die Distanz vom Boden, hat der Betrachter die Möglichkeit hineinzusehen. Die Höhe ist allerdings so abgestimmt, dass er dazu aufgefordert wird den Innenraum nicht zu betreten. Lösgelöst vom Boden verliert das Zelt, als potenzieller Wohnraum, seine ursprüngliche Funktion und wir zum nutzlosen Ding. Dezentral hängt es im Raum und egal von welchem Blickpunkt im Ausstellungsraum, die Form kann nicht vollständig erfasst werden. Es bleiben Fragmente, die der Betrachter selbstständig zusammenfügen kann.

So bleibt die Arbeit in ihrer äußeren und inneren Form ungreifbar. Eine dunkle, glatte, leere Hülle, grundlos, nicht verwurzelt. Sie zeigt ein Bild von Heimat, als etwas nicht Fassbares, Unstatisches und Bodenloses. Als Erinnerung oder als Gefühl, einen Ort, den ich in mir trage und mittführe, egal wo ich auch sein mag.

 

Starting point of the work Das Zelt in mir, 2013 is the confrontation with the german and austrian institution "Heimatmuseum". 

After the changing of the museum system, namley the disenchantment of the museum during the Weimar Republic, the everyday object took a new place there and became a museum-like exhibit. This was clearly evident in the "Heimatmuseum". During this time, many of the local museums were founded, founded and directed mainly by non-professional persons. Thus they were free from cultural policy and relatively independent. The "Heimatmuseum" was the representative of an idea of "Heimat" and served as an identification aid for the people, as well as a social communication center. It showed a collection of everyday objects, they mostly came from the context of life and frequently they were work articles and secondhand goods. The focus was the limited region. Like this the home should be systematically captured, collected, preserved and maintained. The image of "Heimat" was based of everyday objects, which were then presented in the museum space. 

The work Das Zelt in mir remains empty. All these items are missing. It is hanging in the air. Due to the lack of ground contact, a geographic reference point is taken. It hovers in nowhere.
The outline of the object has the form of a tent and it is closed in itself, there is no access. Only by the distance from the ground, the viewer has the possibility to look inside. The height, however, is adjusted so that it is requested not to enter the interior. Loosened from the ground, the tent, as a potential living space, loses its original function and it becomes a useless thing. Decentralized it is located in the room and no matter which point of view in the exhibition space, the form can not be fully captured by the visitors. Fragments remain, which the viewer can assemble independently. 

Thus the work remains intangible in its external and internal form. A dark, smooth, empty cover, not rooted. It shows a picture of home, as something non-tangible, unstable and groundless.As a memory or as a feeling, a place that I carry and have within myself, no matter where I may be. 

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