Love is Blindness, 2017

Konzept, Choreographie, Raum: Tanja Kodlin
Performerinnen: Maria Tsitroudi, Andreea Belu, Tanja Kodlin
Ort: Mousonturm, Frankfurt am Main
Dauer: Zeitausschnitt von 60 Minuten


 



Konzept, Choreographie: Tanja Kodlin
Performerinnen: Andreea Duta, Andreea Belu, Maria Mora
Ort: talking to strangers, H ́art Appendix, Bukarest/Rumänien
Dauer: Zeitausschnitt von 14 Minuten




Das Projekt Love is Blindness, 2017 untersucht unterschiedliche Herzschlagrhythmen. Der eigene Herzschlag kreiert einen individuellen Rhythmus, die Eigenzeit, welche mit den Anforderungen der institutionellen Fremdzeit in Einklang zu bringen ist.

Die Herzschläge dienen als Rhythmus einer dafür entwickelten Bewegungssequenz für drei Performerinnen. Die Herzschläge werden mittels eines dafür konstruierten Stethoskop, welches jede Performerin trägt, akustisch wahrnehmbar gemacht. Die Performerinnen hören so über Kopfhörer den eigenen Herzschlag. Die Choreographie wird für jede Performerin die gleiche sein. Da jedoch der Rhythmus jeder Performerin vom eigenen Herzschlag bestimmt wird, interessiert mich inwieweit es eine Differenz in der Geschwindigkeit/Dynamik der Ausführung gibt und ob und wie sich die Choreographie verschieben, überlagern und wieder treffen wird.

Die Geschichte der Zeitgeber, allen voran die Uhr, spiegelt das Verhältnis der Menschen in ihrer zeitlichen Bedingtheit zwischen ihrer sozialen Umwelt und ihrer „eigenen“ individualisierten Zeit wider. In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit der Thematik der „Eigenzeit“ sowie mit Fragen nach dem Verhältnis der subjektiven Zeitwahrnehmung und der objektiven Meßbarkeit, die Spannung zwischen der „inneren“ erlebten Zeit und der „äußeren“ vorgegebenen.

Es entstehen drei sich unterscheidende Zeitwahrnehmungen, welche nebeneinander existieren. Jede Zeitwahrnehmung orientiert sich am individuellen Rhythmus (Herzschlag) einer jeden Performerin und erschafft somit eine Eigenzeit. Diese synchronisiert sie nicht, fügt sie aber doch in eine Situation oder einen ähnlichen Zusammenhang zusammen. Es entsteht eine Beziehung, in der das eine dem Anderen Zeit gibt. Was in dieser Weise verbunden ist, ist in enger Zeitgenossenschaft, es teilt sich eine Zeit, besser gesagt es gibt sich Zeit, sich und dem Anderen, ohne diese Zeit zu einer einzigen Zeit zu machen. Die sich unterscheidenden Zeitwahrnehmungen werden mittels der Choreographie in einer Struktur zusammengeführt und über die Bewegung für den Zuschauer sichtbar gemacht.

Struktur und Bewegungsmaterial der Choreographie beziehen sich auf Charaktereigenschaften (Leitfähigkeit, Verformbarkeit, Spiegelglanz) des Materials Metall. Glanz und Reflexion des Materials ist in der Entwicklung des Kostüms aufgegriffen.

Die drei Körper bewegen sich konstant in der gleichen Struktur und befinden sich in einem kontinuierlichen Austausch, wobei sie fortwährend aneinander vorbei gleiten, ohne in einen bestehenden Kontakt zu kommen. Sie erschaffen eine Form, welche in ihrer kontinuierlichen Veränderung existiert. Keine statische sondern dynamische Stabilität.
Die Dauer der Arbeit orientiert sich an den Öffnungszeiten eines Museums und für den Besucher ist weder Anfang noch Ende der Arbeit sichtbar.
Die Lichtquelle im Raum bildet die Projekion einer Stahloberfäche, welche innerhalb eines Zeirahmens von 60 Minuten ausblendet.
Die Türe bleibt während des gesamten Zeitraumes geöffnet.

 

The project Love is Blindness, 2017 explores different heart beat rhythms. The own heartbeat creates an individual rhythm, the „Eigenzeit“ (own time), which is to reconcile with the requirements of the institutional „Fremdzeit“ (foreign time).

The heart beats serve as the rhythm of a movement sequence developed for three performers. Through the use of a stethoscope each performer is able to hear her own heartbeat via headphones. 

The choreography will be the same for each performer. Since the rhythm of each performer is determined by her own heartbeat, I am interested in how the choreography will shift, overlay and meet again.

The history of timers, especially the clock, reflects the relationship of people in their temporal condition between their social environment and their "own" individualized time. In this work I deal with the topic of „Eigenzeit“ (own time) as well as with questions about the relation of the subjective perception of time and the objective measurability, the tension between the "inner" experienced time and the "outer" given.

In the work „Love is Blindness“, there are three different time perceptions that coexist. Each time perception orients itself on the individual rhythm (heartbeat) of each performer and thus creates a „Eigenzeit“. It does not synchronize them, but does put them together in a situation or similar context. The result is a relationship in which one gives time to the other. What is connected in this way is in a close Contemporaneity, it is sharing a time, better its giving time to oneself and to the other, without making this time to a single time. Through the choreography the different temporal perceptions are brought together in one structure and will be visible to the viewer via the movement.

The three bodies constantly move in the same structure and are in continuous exchange, constantly sliding past each other without coming into contact. They create a form that exists in their continuous change. No static but dynamic stability.

The duration of the work is based on the opening hours of a museum and for the visitor neither the beginning nor the end of the work is visible.

The door remains open during the entire period.

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