HALTEN, 2014/16

Konzept/Choreographie: Tanja Kodlin
Performerinnen: Julia Turbahn, Lea König, Friederike Haug
Ort: balancing on the edge as if holding its breath, Simultanhalle - Raum für zeitgenössiche Kunst in Köln, 2016
Dauer: 60 Minuten
Fotos: Kevin Pawel Matweew

 

 

Konzept/Choreographie/Performerin: Tanja Kodlin
Ort: Sense no sense, Schedhalle in Tübingen, 2014
Dauer: 4,56 Minuten

 

Konzept/Choreographie/Performerin: Tanja Kodlin
Komposition/Musik: Yoshiko Klein, Sabine Akiko Ahrendt
Ort:The sooner we jump, Kunsthaus Rhenania, 2014
Dauer: 22 Minuten
Fotos: Heiko Specht

 

HALTEN 2014/2016 entwickelte sich aus einer Zusammenarbeit von Klang und Bewegung und wurde das erste mal 2014 im Kunsthaus Rhenania, Köln gezeigt (The sooner we jump, Idee/Choreografie: Tanja Kodlin, Sound: Sabine Akiko Ahrend, Block Flöte/Yoshiko Klein, Violine). Bei einer zweiten Realisation für die Ausstellung sense no sense, 2014 in der Schedhalle, Tübingen entwickelte sich aus HALTEN eine reinen Bewegungsarbeit, welche ich für die Ausstellung balancing on the edge as if holding its breath, 2016 in der Simultanhalle, Köln für drei Performerinnen erweiterte. So wie balancing on the edge as if holding its breath, 2016 die Thematik des Schwebens aufgreift, hinterfragt HALTEN das Halten, sucht nach dem Schlichten und Intimen in einer Welt in welcher gefühlt immer mehr durch die Hände gleitet.

Die Bewegungssequenz wird von drei Performerinnen innerhalb eines Zeitrahmens von einer Stunde wiederholt ausgeführt (Anfang und Ende werden durch das Stellen und Klingeln eines Weckers markiert), dabei existieren drei Momente des Innehalten, die individuell lange von ihnen (an)gehalten werden können. Somit verschiebt, trifft und überlagert sich die Bewegungsabfolge zwischen den drei Ausführenden ständig und es entsteht für den Zuschauer eine sich konstant verändernde bewegte Form im Raum.

Anhaltspunkt dabei bildet die Begrifflichkeit „Halten“, seine Interpretationen, Bedeutungen und unterschiedlichen Ausführungen in Relation zur Alltagsbewegung. 
Das Beobachten des Haltens von Gegenständen, dem eigenen Körper und Anderen bildet die Grundlage für Aufnahmen alltäglicher Bewegungen und Körperformen, welche durch das Halten entstehen. Die Fotos sind unbemerkte Abbildungen von Personen im öffentlichen Raum und halten somit einen Augenblick des Festhaltens fest. Die abgebildeten Körperformen werden aus ihrem Kontext genommen und in einer Bewegungssequenz neu zusammengefügt, wobei die Objekte zwischen den Händen fehlen, bestehen bleibt ihr Abdruck im Körper.

Bei der Beziehung zwischen den Performerinnen oder zwischen Ihnen und Ihrer Umwelt spielt eine Eigenzeit, die sie nicht synchronisiert, sie aber doch in eine Situation oder einen ähnlichen Zusammenhang zusammenfügt, eine wichtige Rolle. Roland Barthes nennt dies Idiorrhythmie. Idiorrhythmie ist eine Beziehung, in der das eine dem andern Zeit gibt. Was in dieser Weise verbunden ist, ist in enger Zeit-genossenschaft, es teilt sich eine Zeit, besser es gibt sich Zeit, sich und dem anderen, ohne diese Zeit zu einer einzigen Zeit zu machen.

 

Buch HALTEN (PDF)

HALTEN 2014/2016 is developed from a collaboration of sound and movement and was shown for the first time in 2014 at the Kunsthaus Rhenania, Cologne (The sooner we jump, idea and choreography: Tanja Kodlin, sound: Sabine Akiko Ahrend, recorder/Yoshiko Klein, Violin). In a second realization which was shown at the exhibition sense no sense, 2014 in the Schedhalle, Tübingen the work was transformed to a pure movement work, which I extended to three performers for the exhibition balancing on the edge as if holding its breath, 2016 in the Simultanhalle, Köln. Just as balancing on the edge as if holding its breath, takes up the theme of hovering, HALTEN questions the being in existence, looks for simplicity and intimacy in a world in which apparently more and more is sliding through our hands. 

The motion sequence is executed repeatedly by three performers within a time interval of one hour (beginning and ending are marked by the setting and ringing of an alarm clock). There are three moments of a pause, which can be held individually long by the performers. Therefore the sequence of movements between the three performers constantly shifts, overlaps, and meets again. It creates a moving form in space which is constantly changing. 

In the relationship between the performers or between them and their environment their own timing (Eigenzeit) plays an important role, which does not synchronize them but even so bring them together into a situation or a similar context. Roland Barthes calls this idiorrhythmia. Idiorrhythmia is a relationship in which one gives the other time. What is connected in this way is in a close time co-operation (Zeitgenossenschaft), it is sharing a time, better it is giving time, itself and the other, without making this time to one single time 

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